Bevor wir voller Vorfreude in 2026 starten, darf ein Rückblick auf das Jahr 2025 bei y-nachten.de nicht fehlen. Wir schauen auf die fünf Texte zurück, die in den vergangenen zwölf Monaten die meisten Klicks und Leser*innen erreicht haben.

Platz 5: Mit euch bin ich Christ. Ein Beitrag von Antonia Wojaczek

Habemus papam! Die Katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt. Und Antonia Wojaczek wirft einen Blick auf die Gegenwart und schaut aber auch, was der neue Papst von seinem Vorgänger lernen kann.

Am frühen Abend des vergangenen Donnerstags war es soweit – weißer Rauch stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle in Rom und zeigte den Gläubigen auf dem Petersplatz und in aller Welt: Es ist entschieden, die Kardinäle waren sich einig und haben einen neuen Papst gewählt: Robert Francis Kardinal Prevost, ein amerikanischer Ordensmann der Augustiner, steht nun der katholischen Kirche als Papst Leo XIV. vor.

„Der Friede sei mit euch!“ Mit dem Satz des Auferstandenen, dem ersten Satz, den er als Papst am Donnerstag auf der Balkonloggia des Petersdoms an die Menschen richtete, stellte er klar: Genau dies, die Einheit, die Versöhnung, möchte er forcieren. Das Leitwort des Friedens zieht sich durch seine gesamte erste Ansprache. Ein Papst der Mitte also?

Platz 4: „Kendrick Made You Think About It, But He Is Not Your Savior.“ – Wie ein Rapper den Superbowl zum theologischen Lernort macht. Ein Beitrag von Laurin Ernst

Am 09. Februar findet in New Orleans der Superbowl LIX statt. Zur Zeit der Verfassung des Artikels ist noch nicht klar, welche Mannschaften antreten werden, die Gestaltung der Halftime-Show hingegen steht schon länger fest: Kendrick Lamar wird als erster Rapper alleiniger Headliner sein (SZA wurde letzte Woche als Gast angekündigt). Laurin Ernst zeigt auf, weshalb es sich bei Kendrick Lamar um einen Theologen handelt und warum die Halftime-Show ein Ereignis sein wird, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Hip-Hop steht als Teil der amerikanischen Geschichte als eine Form des Widerstandes Schwarzer Menschen in diesem besonderen rassistischen System in der Genealogie zu den Spirituals der versklavten Menschen, zum Blues, zu Jazz, Gospel, Soul. In einer Welt, in der die wesentliche Existenz von den gewaltvoll herrschenden hegemonialen Machtverhältnissen verneint wird, ist die Manifestierung der eigenen Innenwelt ein Trotz, ein Widerspruch, Widerstand. Was können wir Theolog:innen noch mehr verlangen, bevor wir etwas für den Raum unserer Hörsäle als würdig erachten?

Platz 3: #GodlyWoman? Die religiöse Tradwife ist zurückgequeert! Ein Beitrag von Lia Alessandro

Tradwife-Narrative inszenieren traditionelle Frauenbilder mit religiösem Anstrich und suggerieren einfache Antworten auf komplexe gesellschaftliche Fragen. Lia Alessandro zeigt, wie diese Rückwärtsbewegung theologisch „zurückgequeert“ werden kann.

Kann das Bild der demütigen und makellosen Hausfrau eine Antwort sein auf gegenwärtige gesellschaftliche Verunsicherungen und Komplexitäten oder verstärkt es bereits bestehende Ungleichheiten in erneuter Aufmachung? Warum braucht es eine theologische Reflexion der religiös konnotierten Weiblichkeitsideale, die in Rückbezug auf eine göttliche Ordnung ein klares hierarchisches und binäres Geschlechterbild tradieren?

Hinter dem Tradwife-Narrativ auf Social Media verbirgt sich in großen Teilen ein polarisierender Diskurs, der keineswegs nur Ausdruck einer persönlichen Lebensentscheidung ist. Es fungiert als Projektionsfläche und Vermittlungsinstanz für reaktionäre Ideologien, in denen ein religiöser Fundamentalismus, rechte und antifeministische Rhetoriken ineinandergreifen.

Platz 2: „Ich bin Ärztin … und ich glaube“ – Spirituelle Autorität auf Instagram. Ein Beitrag von Isabell Voth

Wie arbeiten christliche Influencer:innen auf Plattformen wie Instagram, um ihre Botschaft unter die Leute zu bringen? Welche Mechanismen laufen im Hintergrund ab und wo könnte es gefährlich werden? Isabell Voth untersucht an einem aktuellen Beispiel, wie spirituelle Autorität auf Instagram konstruiert wird.

Mit einer Analogie erklärt Influencerin Jana Highholder in einem kürzlich veröffentlichten Instagram-Beitrag ihr Verständnis von Spiritualität: „Du kannst ein Elektrogerät in die verschiedensten Steckdosen stecken. Aber es wird nur dann angehen, wenn auf der Steckdose Strom ist.“1 In anderen Worten versteht sie Spiritualität als heilende Lebenskraft, die nur durch die richtige Quelle aktiviert werden kann. Was diese Quelle ist, zeigt die junge, selbstbewusst wirkende Frau im Reel, indem sie lächelnd ein Buch in die Kamera hält: Eine rosafarbene Bibel. Gott als einzige Quelle für Spiritualität?

Mit einer Analogie erklärt Influencerin Jana Highholder in einem kürzlich veröffentlichten Instagram-Beitrag ihr Verständnis von Spiritualität: „Du kannst ein Elektrogerät in die verschiedensten Steckdosen stecken. Aber es wird nur dann angehen, wenn auf der Steckdose Strom ist.“1 In anderen Worten versteht sie Spiritualität als heilende Lebenskraft, die nur durch die richtige Quelle aktiviert werden kann. Was diese Quelle ist, zeigt die junge, selbstbewusst wirkende Frau im Reel, indem sie lächelnd ein Buch in die Kamera hält: Eine rosafarbene Bibel. Gott als einzige Quelle für Spiritualität?

Platz 1: Keinzelfall – Vom Überleben in einem katholischen Heim. Ein #Booked von Lia Alessandro

Heute erscheint das neue Buch „Keinzelfall. Wie Heinz ein katholisches Heim überlebte“ von Christiane Florin. Lia Alessandro hat das Buch für y-nachten gelesen und lässt uns an ihren Lektüreeindrücken teilhaben.

„In Erinnerung an die misshandelten Kinder“ – mit dieser Widmung eröffnet die Politikwissenschaftlerin und Machtanalytikerin Christiane Florin die Auseinandersetzung mit dem Thema Heimerziehung in ihrer jüngsten Publikation. In einem Spannungsverhältnis zwischen der individuellen Geschichte von Heinz2 und dem strukturellen Versagen der Kirchen Deutschlands in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Heimkontexten, schlägt Florin eine Brücke zwischen individueller Lebensgeschichte und dem Ausschluss von Heimkindern in den öffentlichen und wissenschaftlichen sowie innerkirchlichen Debatten rund um Macht und Missbrauch.

Das Buch regt durch die Geschichte von Heinz zum Denken an und kann als absolute Leseempfehlung geltend gemacht werden. Es erschüttert durch die besonders intimen Einblicke von Heinz und fordert gleichzeitig dazu auf anzuerkennen, dass Heimkinder keine homogene Gruppe sind und Lebensrealitäten von intersektionellen Abwertungskategorien betroffen sind.

Die ganze Redaktion wünscht einen guten Rutsch und ein frohes, gesundes und glückliches Jahr 2026!

Hashtag der Woche: #EinBlickZurück


(Beitragsbilder: @Damiano Lingauri (Titelbild), von oben nach unten: @Simone Savoldi, @Tama66, Retro vintage home building, @Patty Brito, @Lucho Morales

1 hiighholder, https://www.instagram.com/p/DLQKlcSIzp1/?hl=de (Abruf: 26.06.2025).

2 Die Namen der Beteiligten hat Christiane Florin geändert, die Orte der Geschehnisse vage gehalten.

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