Viele Theologiestudierende kennen die Situation bei Familientreffen danach gefragt zu werden, was sie nach dem Theologiestudium beruflich denn werden wollen. Wir haben Theolog*innen aus unterschiedlichen Berufsfeldern für euch gefragt, was sie eigentlich so machen. Heute aus den eigenen Reihen: Unser Redaktionsmitglied Claudia Danzer interviewt unser Redaktionsmitglied Hannah Ringel zu ihrer beruflichen Tätigkeit. Beide verabschieden sich nach sieben bzw. acht tollen y-nachtlichen Jahren mit diesem Interview aus der Redaktion und blicken im Folgenden auf das eine Weile zurückliegende Theologiestudium zurück.

Claudia Danzer: Liebe Hannah! Schön, dass wir uns zu diesem Interview (digital) zusammenfinden. Wir haben uns vor vielen Jahren im Theologiestudium in Freiburg kennengelernt. Wieso hattest du dich damals entschieden, Theologie zu studieren?

Hannah Ringel: Die kirchliche Jugendarbeit hat mich geprägt und auch meine Studienentscheidung beeinflusst. Außerdem hat mich in den Berichten anderer Theologiestudierender besonders die Vielfalt des theologischen Fächerkanons beeindruckt. In einem Moment, in dem einem die Studienwahl sehr endgültig und entscheidend vorkommt, hatte ich dadurch den Eindruck, in der Vielfältigkeit des Studiums Optionen zu wahren.

Claudia Danzer: Das ging mir ähnlich. Erzähle gerne mal, was du heute machst und wie Dein Berufsalltag aussieht.

Hannah Ringel: Ich arbeite in einem IT-Consulting-Unternehmen als Beraterin im Transformationsmanagement. Über verschiedene Methodensets, wie etwa Prozessdesign, Agilisierung, Business Analyse, Trainings, etc. begleiten wir größere, organisatorische Transformationen, die oftmals mit einem IT-spezifischen Change einhergehen. Aber auch durch anderweitige Umstände kann in einer Organisation Entwicklungsbedarf entstehen. Im Alltag bedeutet das, dass ich mit einem spezifischen Auftrag in Kund*innenprojekteneingesetzt werde und das Unternehmen für eine gewisse Zeit in seiner Transformation begleite.

Claudia Danzer: Was an Deiner Tätigkeit hat gar nichts mit deinem Studium zu tun?

Hannah Ringel: Um ehrlich zu sein, gibt es keine eindeutige Verbindung zwischen meinem Theologiestudium und meinem heutigen Job. Einiges Erlerntes kann ich übertragen, aber klare Schnittmengen gibt es nicht. Damit bin ich aber bei weitem die nicht einzige – viele meiner Kolleg*innen haben einen ähnlich bunten Lebenslauf.

Claudia Danzer: Was hat Deine Tätigkeit mit deinem Theologiestudium zu tun?

Hannah Ringel: Eigentlich nichts. Aber in meinem Promotionsstudium in der Sozialethik habe ich mich insbesondere mit ethischen Fragestellungen im Kontext digitaler Kultur beschäftigt und mein beruflicher Alltag ist durch und durch digital. Mir persönlich helfen dieses Reflektieren und auch die Recherche, da es sich aus unterschiedlichen Perspektiven komplexen Phänomenen leichter nähern lässt. Das prägt, wie ich mich mit Themen auseinandersetze, und bereichert sowohl meinen Arbeitskontext als auch mich privat.

Claudia Danzer: Was hat Dich rückblickend auf deine heutige Tätigkeit am meisten vorbereitet?

Hannah Ringel: Das Theologiestudium beinhaltet eine hohe Vielfalt an Fächern, die es erfordern, dass man in inhaltlich und methodisch verschieden aufgestellten Kontexten schnell einen Überblick gewinnt, Themen in den richtigen Zusammenhang stellt, die großen Linien identifiziert und sich diese neuen Zusammenhänge aneignen kann. Oftmals geht es darum, die bereits gewonnene Expertise im neuen Kontext auf ihr Bestandhalten zu prüfen, Neues zu integrieren, anschlussfähig darzustellen und adaptierbar aufzubereiten. Ähnlich geht es mir, wenn ich ein neues Projekt beginne, weshalb ich von diesen Erfahrungen profitiere.

Ich kann aber auch auf Erfahrungen aus Vereinen, dem Engagement in verschiedenen Hochschulgruppen und natürlich der y-nachten-Redaktion zurückgreifen.

Claudia Danzer: Wie hast du außerhalb vom Berufsleben von deinem Theologiestudium profitiert?

Hannah Ringel: Aus meiner Studienzeit kenne ich Menschen, von und mit denen ich denken und debattieren gelernt habe. Ich habe in dieser Zeit Mentor*innen getroffen, die bis heute meine Sicht auf die Welt prägen und Freund*innen gewonnen, die nun Journalist*innen, Dozent*innen, Gastwirt*innen und Lehrer*innen sind, die Jugendverbände leiten, in Personalabteilungen, Kindergärten und Stiftungen arbeiten, oder wie ich in Unternehmensberatungen sitzen.

Claudia Danzer: Was würdest du allen Theologiestudierenden raten, die von Verwandten regelmäßig gefragt werden, was sie denn später mal machen?

Hannah Ringel: Lasst euch davon nicht verrücktmachen. Diese Herausforderung teilen wir mindestens mit vielen, vielleicht mit allen Geisteswissenschaftler*innen. Nutzt Gelegenheiten, in denen ihr in andere Kontexte blicken könnt, das hilft selbst dann, wenn man schon genau weiß, wo es hingehen soll. Sammelt Praxiserfahrungen und spezialisiert euch in den theologischen Fächern, die für euch bereichernd sind.
Und wenn ihr einfach keinen Bock auf die Frage habt, dann sagt doch: IT-Consulting. 😉

Claudia Danzer: Vielen Dank für das Gespräch und vor allem ein riesen Dankeschön für acht großartige y-nachten-Jahre! Viel Erfolg dir weiterhin in allen Lebenslagen!

Hannah Ringel: Merci <3

 

 

Gemeinsamer Nachtrag:

Wir wollen uns an dieser Stelle nach dieser letzten y-nachten-Tat auch bei allen y-nachten-Leser*innen und Unterstützer*innen bedanken, die schon lange an dieses Projekt glauben, und besonders allen aktuellen und ehemaligen Redaktionsmitgliedern dieser tollen Redaktion, für die großartige Zusammenarbeit und die vielen Impulse danken, die wir gewonnen haben. Wir wechseln nun in die Leser:innenschaft und wünschen weiterhin viel Erfolg und Freude!

Hannah und Claudia

Hashtag der Woche: #wastheologinnensomachen


Beitragsbild (@Mike Kononov)

hannah ringel (sie/ihr)

studierte in Freiburg katholische Theologie. Hannah hat mal für die Kirche zum Thema Digitalisierung gearbeitet ─ jetzt macht sie das für eine Unternehmensberatung. Außerdem werkelt sie an einer Dissertation zu den Themen Ethik und Digitalität und nutzt seit dem Foto hier links keine Einwegkaffeebecher mehr, versprochen! Hannah ist Teil der Redaktion von y-nachten.de.

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