Am 2. Februar feiert die katholische Kirche das Fest der Darstellung des Herrn, oft besser bekannt unter den Namen „Mariä Lichtmess“ oder „Mariä Reinigung“. Doch was wird an diesem Tag eigentlich gefeiert? Warum hat das Fest so viele verschiedene Namen, was hat das alles mit Maria zu tun und warum lassen manche Kirchen, Orden und Privathaushalte Krippen und Christbäume überhaupt so lange stehen? Kathrin Senger begibt sich auf eine Spurensuche.

So manch eine*r mag sie schon geführt haben: Die Diskussion um den richtigen Zeitpunkt zum Abbau von Christbaum und weihnachtlicher Krippe. Gleich am 27. Dezember weg? Oder zumindest Dreikönig am 6. Januar abwarten, damit die Königsfiguren das Krippenensemble noch ergänzen und die Sternsinger eine vollständige Krippe bewundern können? Oder gar bis zum 2. Februar warten, wie es manche gläubige Katholik*innen tun?

Biblische Grundlagen

Beginnen wir mit einem Blick in die Bibel, genauer ins Lukasevangelium. Die dortige Geschichte in Lk 2,22-40 ist die biblische Grundlage für das Fest. Hier wird beschrieben, wie Maria und Josef ihren Sohn Jesus 40 Tage nach dessen Geburt in den Tempel bringen, um ihn Gott zu weihen und ein Reinigungsopfer darzubringen. Dies schrieb das Gesetz so vor (Lev 12, 2-4; Lev 12,6). Die beiden Riten, die Maria und Josef im Tempel verrichten, also die Weihe des erstgeborenen Sohnes Jesus an Gott – die Darstellung – und das Reinigungsopfer Mariens, sind die beiden Ausgangspunkte für die unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten des Festes: christologisch oder mariologisch.

Im Tempel begegnen sie dann der Prophetin Hanna und dem alten Simeon, die gleich spüren, dass der kleine Jesus kein gewöhnliches Kind ist und ihn als Erlöser preisen. Simeon nimmt Jesus auf den Arm und beginnt mit seinem Loblied:

„Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“1 (Lk 2,29-33).

Er segnet die Familie und spricht eine Weissagung. Auch Hanna lobt den Herrn.

Die Entstehung des Festes

Bereits im 4. Jahrhundert wird das Fest 40 Tage nach der Geburt des Herrn gefeiert.2 Das Datum fällt nach griechischer und lateinischer Tradition auf den 2. Februar.3 Schon um die Mitte des 5. Jahrhunderts ist für Jerusalem außerdem eine Lichterprozession belegt.4 Neben Jerusalem ist die Feier in Rom wahrscheinlich ab Mitte des 5. Jahrhunderts bekannt. Spätere Quellen belegen für diesen Tag auch eine Lichterprozession, die eine alte heidnische Sühneprozession verdrängen sollte, die alle fünf Jahre im Reinigungsmonat Februar als Stadtprozession in Rom stattfand. Die Lichter der christlichen Prozession erinnerten an die Aussage Simeons, dass Jesus ein „Licht [sei], dass die Heiden erleuchtet“ (Lk 2,32).

Die Segnung dieser Lichter ist noch vor der Jahrtausendwende in Gallien entstanden.5 Die Lichterprozession und die Lichterweihe führten zur deutschen Bezeichnung „Lichtmess“. Papst Sergius I. ordnete das Fest im 8. Jahrhundert schließlich unter die Marienfeste ein.6 Auch die seit dem Konzil von Ephesus (351) erstarkende Marienfrömmigkeit durch das dort verkündete Dogma der Gottesmutterschaft Mariens korrelierten mit den marianischen Momenten der Feier am 2. Februar in Rom. Die ältesten Segnungstexte der Kerzensegnung haben nur das Festgeheimnis, die Prozession und den Lobpreis zum Inhalt, während in späteren Formularen die apotropäischen Motive vermehrt auftauchen7: Das bedeutet, dass die Kerzen durch die Segnung zu heiligen Sachen werden, die den Teufel und sämtliches Unheil vertreiben und Hilfe bei Anliegen wie Unwettern und Epidemien oder auch in der Sterbestunde spenden sollen.

Vom Herrenfest zum Marienfest und wieder zurück

Hatte das Fest bis dahin einen christologischen Schwerpunkt mit marianischen Bezügen, so ist es im Missale Romanum ab dem Jahr 1570 im Anschluss an das Trienter Konzil (1545-1563) nun ein Marienfest mit dem Namen: „In Purificatione Beatae Mariae Virginis“, „Reinigung Mariens“. Auch wenn das Festverständnis als Marienfest in den Messformularen kaum zum Ausdruck kommt, hat das marianische Verständnis in der Volksfrömmigkeit tiefe Wurzeln geschlagen. Das wird an der im deutschen Sprachgebrauch geläufigen Bezeichnung „Mariä Lichtmess“ bis heute deutlich.

Nach den Änderungen durch das Trienter Konzil wurde der Festcharakter mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren nochmals revidiert und der Schwerpunkt von mariologisch zu christologisch zurückverlagert. Die Umdeutung vom Marien- zum Herrenfest spiegelt sich auch in der Namensänderung wider: Der bis 1969 offiziell lautende Name „Reinigung Mariens“ („In Purificatione Mariae Virginis“) wurde geändert in „In Praesentatione Domini“, „Darstellung des Herrn“. Damit wurde Jesus Christus und die Bedeutung seiner Darstellung im Jerusalemer Tempel für das Volk Gottes wieder zum Mittelpunkt der Feier.

Heutige Feiergestalt

Auch nach der Liturgiereform sind die Prozession und die Segnung der Kerzen, die die Kirche für das Jahr benötigt, als charakteristische Elemente der Messe erhalten geblieben. An einigen Orten lassen auch die Gläubigen ihre mitgebrachten Kerzen segnen. Im Zentrum steht heute der Grundgedanke des Heilsgeschehens und dessen Wirkung auf die Menschen. Im deutschen Messbuch findet sich dennoch ein kleiner Einschub, der auch die mariologischen Aspekte der Feier berücksichtigt:

„Denn heute hat die jungfräuliche Mutter deinen ewigen Sohn zum Tempel getragen.“8

All jene Überlegungen wie die der Reinigung oder des Exorzismus, die vom eigentlichen Ereignis der Darstellung des Herrn wegführen und vorrangig aus dem Mittelalter stammen, sind nicht mit aufgenommen worden. Die Vereinfachung der Messe bringt so das Wesentliche der Darstellung des Herrn besser zur Geltung: „Die Offenbarung der Gottessohnschaft Jesu Christi und seiner Sendung […] und deren Heilsfolgen für die Menschen.“9

Letztes Fest der Weihnachtszeit oder weihnachtliches Fest?

Innerhalb des Kirchenjahres beschließt das Fest der Darstellung des Herrn nach dem deutschsprachigen Messbuch von 1975 die Reihe der weihnachtlichen Feste.10 Das Ende der Weihnachtszeit ist es aber trotzdem nicht: Der Liturgiewissenschaftler Stephan Wahle betont, dass es sich beim 2. Februar zwar um ein eindeutig weihnachtlich geprägtes Fest handele, jedoch nicht um einen festlich begangenen Abschluss der Weihnachtszeit.11 Diese endet seit 1969 mit der Taufe des Herrn, also dem ersten Sonntag nach dem Dreikönigsfest. Mit dem Stehenlassen von Krippen und Christbäumen wird der weihnachtliche Charakter des Fests am 2. Februar auch symbolisch deutlich. Wer also sehr an der Weihnachtszeit hängt: zumindest die Dekoration kann gut und gern bis Anfang Februar stehen gelassen werden.

Übrigens: Der 2. Februar spielte früher auch für Handwerker*innen eine wichtige Rolle, denn ab diesem Zeitpunkt arbeiteten sie wieder ohne künstliches Licht. Für Dienstbot*innen war es der Tag, an dem sie ihren Lohn erhielten und ihre Stelle wechseln konnten. In Tirol wurde der 2. Februar so zum sog. „Schlenggeltag“ (von „schlenggeln“ = Stelle wechseln).12

Hashtag der Woche: #lichtmess


Beitragsbild: Sixteen Miles Out / Unsplash Licence

1 Simeons Lobgesang ist auch bekannt als „Nunc dimittis“, es wird im Stundengebet täglich gesungen. Es gehört zur Komplet. Die Bezeichnung Nunc dimittis stammt von den ersten beiden Worten der lateinischen Fassung: „Nunc dimittis servum tuum Domine …“ (Lk 2,29)

2 Vgl. Auf der Maur: Darstellung des Herrn, S. 177f.; Feucht: Licht und Herrlichkeit, 78.

3 In Jerusalem fällt das Datum auf den 14. Februar, diese Differenz ergibt sich aus der unterschiedlichen Festbegehung der Geburt des Herrn an Epiphanias (6. Januar) durch Jerusalem und am 25. Dezember durch Byzanz und den lateinischen Westen.

4 Vgl. Kleinheyer: Marienfeste im Kirchenjahr, 481.

5 Vgl. Adam: Das Kirchenjahr, 127.

6 Vgl. Feucht: Licht und Herrlichkeit, 128.

7 Vgl. Auf der Maur: Darstellung des Herrn, 179.

8 Messbuch für die Bistümer des dt. Sprachgebietes 1975: Darstellung des Herrn, 619.

9 Feucht: Licht und Herrlichkeit, 166f.

10 Vgl. Messbuch für die Bistümer des dt. Sprachgebietes 1975: Darstellung des Herrn, 619.

11 Vgl.: Wahle: Die stillste Nacht, 85.

12 Vgl. Auf der Maur: Darstellung des Herrn, 179.

Primärquellen

Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Teil II. Das Messbuch deutsch für alle Tage des Jahres außer der Karwoche. Hg. im Auftrag der Bischofkonferenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie der Bischöfe von Luxemburg, Bozen-Brixen und Lüttich. Herder Verlag. Freiburg (u.a.), 1975.

Missale Romanum 1570. Ex decreto concilii tridentini restitutum S. Pii V. pontificis maximi iussu editum. Aliorumque Pontificum cura recognitum. A S. Pio X. reformatum et Benedicti XV. Auctoritate vulgatum. Editio typica, ed. 1920.

Missale Romanum 1970. Ex decreto Ss. Oeconomenici Concilii Vaticani II instauratum auctoritate Pauli PP. VI promulgatum. Ioannis Pauli PP. II cura recognitum. Editio typica tertia. Vaticano 2002.

Sekundärquellen

Adam, Adolf: Das Kirchenjahr mitfeiern. Seine Geschichte und seine Bedeutung nach der Liturgieerneuerung. Verlag Herder. Freiburg u.a., 1979

Auf der Maur, Hansjörg: Darstellung des Herrn (2. Februar). In: Meyer, H. B. / Auf der Maur, H. / Fischer, B. / Häußling A. A. / Kleinheyer, B. (Hg.): Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft. Teil 5. Feiern im Rhythmus der Zeit I. Herrenfeste in Woche und Jahr. Friedrich Pustet Verlag. Regensburg, 1983. 176 – 179.

Feucht, Alexa: Licht und Herrlichkeit. Dogmatische Studien zur Darstellung des Herrn. Ferdinand Schöningh Verlag. Paderborn (u.a.), 2006.

Kleinheyer, Bruno: Marienfeste im Kirchenjahr. In: Kleinheyer, Bruno / Jilek, August: Maria in der Liturgie. In: Beinert, Wolfgang / Petri, Heinrich: Handbuch der Marienkunde. Band 1. Theologische Grundlegung. Geistliches Leben. Friedrich Pustet Verlag. Regensburg, 1996. 478 – 504.

Wahle, Stephan: Die stillste Nacht. Das Fest der Geburt Jesu von den Anfängen bis heute. Herder Verlag. Freiburg (u.a.), 2018.

 

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kathrin senger

studiert Katholische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und arbeitet dort als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Kirchenrecht und kirchliche Rechtsgeschichte.

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