First things first: Wir haben ein Buch veröffentlicht! Solltet ihr das noch nicht mitbekommen haben, dann solltet ihr da unbedingt jetzt mal reinschauen – denn die Weihnachtszeit dauert ja noch ein bisschen und lesen kann man die Texte sowieso das ganze Jahr über. Aber es gab natürlich auch noch viele andere Dinge, mit denen wir uns die vergangenen zwölf Monate hier beschäftigt haben. Eine kleine Auswahl findet ihr in den nächsten Zeilen. Danke und Cheers an euch alle, die ihr y-nachten.de möglich macht!

„Ich sage niemandem davon ein Sterbenswörtchen.“ von Hannah Ahlers

In ihrem Beitrag blickt die Autorin auf das vielschichtige Schweigen betroffener Frauen sexuellen Missbrauchs. Vor allem nimmt sie dabei den Ordenskontext in den Blick – und fragt nach möglichen systemischen Ursachen dahinter.

Eines der grundlegenden Probleme der katholischen Kirche ist das einseitige und stereotypische Frauenbild, das in kirchlichen Texten dargestellt und in einigen Ordensgemeinschaften besonders betont und gelebt werden soll. Das „natürliche“ Dasein der Ordensfrau besteht nicht nur darin, sich besonders einfühlsam, zärtlich und aufmerksam um andere zu kümmern, sondern ihr ganzes Sein für Christus hinzugeben. Die aufopfernde Rolle wird verschärft durch die Treue zum Gehorsam gegenüber Christus und seinen irdischen Stellvertretern. Unter dem Deckmantel des Willen Gottes fällt schließlich ihr ganzes Leben in die Hände ihrer Vorgesetzen, die sich in manchen Fällen allerdings als Sexualstraftäter entpuppen. An Selbstbestimmung, die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und Grenzen ist nicht zu denken.


#IchBinThea – unser neues Special

Thea ist weiblich, Ende 30, seit kurzem verheiratet und hat (noch) keine Kinder. Thea ist keine reale Person, sondern eine statistische – sie repräsentiert eine Gruppe von Menschen, die etwa wie sie ihre Promotion in katholischer Theologie auf einer Assistenzstelle in Deutschland verfasst haben und nun in einem Drittmittel-Projekt an ihrer Habilitation arbeiten. Einen entfristeten Vertrag wird Thea wohl erst erhalten, wenn sie einmal Professorin ist. Bei uns schreibt sie über ihren Alltag.

Es geht mir nicht in erster Linie darum, das System zu ändern. Ich will zunächst einmal das Wissen vermitteln, worum es im Diskurs überhaupt geht und was das für uns im Nachwuchs bedeutet. Ich möchte Empathie fördern und einen Einblick geben, wie unser Alltag sich gestaltet und was marktkonforme Leistungsgesellschaft für eine Geisteswissenschaft bedeutet. Wir werden gemeinsam Gesetzestexte anschauen, konkrete Beispiele und Szenarien durchspielen und – wo möglich – Alternativen zur Diskussion anbieten.


Back up to heaven von Kilian Linder

Nach seiner Twitter-Übernahme ist Elon Musk derzeit wieder in aller Munde. Doch was hat er mit Jeff Bezos und Jesus gemeinsam? Darüber hat Kilian Linder vor einiger Zeit zu einem ganz bestimmten Anlass nachgedacht und sich an seine Grundschulzeit zurückerinnert.

Im Religionsunterricht in der Grundschule wurde uns vor circa drei Jahrzehnten um diese Zeit aufgegeben, die Himmelfahrt bildlich darzustellen. Als ich in der nächsten Stunde ein Bild von Jesus in einer startenden Mondrakete mitbrachte, schüttelte meine Religionslehrerin nur mit geschürzten Lippen den Kopf. Vielleicht war sie enttäuscht darüber, dass ich mich bei der Darstellung eines so wundersamen Ereignisses aus der Heiligen Schrift mit moderner Technik aus der Affäre gestohlen hatte. Vielleicht hatte sie sich bei ihrem Schüler insgeheim etwas von der Kreativität des Matthäus Merian erhofft, der den auferstandenen Jesus einfach in die Wolkendecke hineinschob und sich auf die „WHAT?“-Reaktion der Jünger konzentrierte.


Ohne harte Kirchenbänke von Maja Goertz

Von einem ganz besonderen Gottesdienst berichtet unsere Autorin Maja Goertz. Er hatte wenig mit harten Kirchenbänken, dafür umso mehr mit schönen Erfahrungen zu tun. Davon erzählt sie – und von ihren Wünschen an alle weiteren Gottesdienste.

Ich fühle mich in Kirchen oft wie ein Fremdkörper, distanziert von Pfarrern, die mich nicht kennen und allgemeingültige Aussagen für alle Anwesenden treffen. Trotz der Anonymität, in die ich in Kirchenräumen schlüpfe, mache mit, was alle machen. Ich kann die Gebete auswendig, die meisten Lieder nicht, aber ich weiß, wann erwartet wird, dass ich mich hinknie und wie lange es dauert, bis meine Kniescheiben davon weh tun. Das alles ist mein persönliches Empfinden. Aber immer, wenn ich davon erzähle, sage ich auch, wie schade ich das finde. Dass ich mir wünsche, dass Kirche ein Wohlfühlort für mich wäre und ich mich darin nicht fühle, wie wenn die Polizei an einem vorbeifährt und man automatisch auf die Bremse tritt.


Kampf der modernen Welt von Marleen Thaler

Neue Rechte, zeitgenössischer Paganismus und religiöser Fundamentalismus eint dasselbe Motiv: ein tiefes Misstrauen gegen die Moderne und ihr Kampf für die ewige Wahrheit. Marleen Thaler hat für uns den Radikalen Traditionalismus näher unter die Lupe genommen.

Obwohl der Traditionalismus seit seiner Begründung stets eine eher lose Bewegung geblieben ist, gibt es zwei verbindende, sich wiederholende Elemente: den Glauben an die Philosophia Perennis und die Ansicht, dass der Niedergang der Moderne durch ihren fehlgeleiteten Glauben an den ständigen Fortschritt verursacht wurde. Die Wiedereinführung der Prinzipien einer paradiesisch anmutenden Vergangenheit sei nach Traditionalistischer Maxime das einzige Gegenmittel, um die moderne Welt zu retten. Einige Traditionalisten sahen es als ihre Aufgabe an, diese Prinzipien zu propagieren und so die vergiftete Natur der Moderne zu heilen.

Wir freuen uns auf alle Beiträge und Debatten, die das kommende Jahr bringen wird. Euch allen wünschen wir einen guten Jahreswechsel und freuen uns auf ein gemeinsames neues Jahr 2023 – bis bald!

#jung #hip #prosit


(Beitragsbild @Trust „Tru“ Katsande)

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