Flatten the curve: Die Menschen müssen Abstand zueinander halten – auch an Ostern. Doch Einsamkeit will gelernt sein und ist gerade in diesen Tagen eine Herausforderung. In unserer Serie Coronaeremit*innen suchen wir Texte, die dabei helfen können. Dieses Mal widmen wir uns dem Thema ‚Hoffnung‘. 

Aus „Klagelied“ von Sr. Makrina Finlay OSB (2020)

Mehr und mehr verstehe ich: Es ist eine Entscheidung zu hoffen. Und nun stehen wir alle vor dieser Entscheidung. Unsere Freiheit ist beschränkt. Wir haben Angst vor etwas, was in uns und anderen steckt, möglicherweise. Wir warten … Worauf? Die ganze Welt steht still, wie sie damals am Karfreitag stillgestanden hat. Die ganze Welt hält den Atem an, wie meine geflüchteten Freunde es schon seit Jahren tun. Es ist für uns nicht so extrem, wie es für sie ist, aber die Verzweiflung ist nicht mehr nur theoretisch. Uns ist die Puste ausgegangen. Doch wir alle ahnen: etwas Neues kommt. Wir müssen es abwarten. Wir müssen die Unsicherheit aushalten. Können wir uns auch jetzt auf Gottes Erbarmen verlassen? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht ist noch Hoffnung.

(Auszug aus: Klagelied. Eine Betrachtung von Sr. Makrina Finlay OSB, Abtei Burg Dinklage, in: Die Feier der Kar- und Ostertage, hrsg. von Julia Martin und Br. Wolfgang Sieger OSB, Vier-Türme-Verlag 2020, S. 21)


„Hope“ is the thing with feathers von Emily Dickinson (1891)

“Hope” is the thing with feathers –
That perches in the soul –
And sings the tune without the words –
And never stops – at all –

And sweetest – in the Gale – is heard –
And sore must be the storm –
That could abash the little Bird
That kept so many warm –

I’ve heard it in the chillest land –
And on the strangest Sea –
Yet – never – in Extremity,
It asked a crumb – of me.


Auferstehung von Marie Luise Kaschnitz (1962)

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.


Aus „Deutsche Predigten und Traktaten“ von Meister Eckhart (gest. 1328)

Darum fange zuerst bei dir selbst an und laß dich! Wahrhaftig, fliehst Du nicht zuerst dich selbst, wohin du sonst fliehen magst, da wirst du Hindernis und Unfrieden finden, wo immer es auch sei. Die Leute, die da Frieden suchen in äußeren Dingen, sei’s an (bestimmten) Stätten oder in Verhaltensweisen, bei Leuten oder in Werken (…), das ist dennoch alles nichts und gibt noch keinen Frieden. Sie suchen völlig verkehrt, die so suchen. Je weiter weg sie in die Ferne gehen, um so weniger finden sie, was sie suchen. Sie gehen wie einer, der den Weg verfehlt. Aber, was soll er denn tun? Er soll zuerst sich selbst lassen, dann hat er alles gelassen.

(von Silke Freund eingesendet)


Gebet von Thomas von Aquin (gest. 1274)

Mache mich
schlicht ohne Überheblichkeit,
ernst ohne Täuschung,
mutig ohne Furcht,
rührig ohne Leichtsinn.

Lass meinen Weg gerade und sicher zum Ziel kommen.

Lass mich immer auf dich hoffen.

 

Hashtag: #Coronaeremit


(Beitragsbild @jwwhitt

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