Heute beginnt die erste Vollversammlung des Synodalen Wegs und mit ihr unsere neue Reihe Synodengänger*innen bei y-nachten.de. Juliane Eckstein wird als Delegierte der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen den Synodalen Weg begleiten und bei uns berichten.

Die einen oder anderen dürften es mitbekommen haben: Heute startet der Synodale Weg – und ich bin dabei. Ich bin eine von insgesamt 230 Delegierten, die aus allen Bistümern der Römisch-Katholischen Kirche in Deutschland kommen. Verschiedenste Menschen kommen zusammen, um sich auf den sinnbildlichen syn-hodos, den gemeinsamen Weg zu machen. Wir werden Gottesdienst feiern, beten, uns austauschen, heftig debattieren und darum ringen, wie es mit unserer Kirche weitergeht.

Dafür habe ich mich nicht selbst gemeldet, sondern meine Kolleg*innen haben mich gewählt. Genauer gesagt, die Mitglieder der BAM, der „Bundeskonferenz der wissenschaftlichen Assistent/innen und Mitarbeiter/innen“ in der katholischen Theologie. Wir sind diejenigen, die im Hochschulbereich Theologie lehren beziehungsweise theologisch forschen, aber keine Professor*innen sind. Manchmal werden wir als „Theologischer Nachwuchs“ bezeichnet, was etwas kurios anmutet, angesichts der Tatsache, dass keiner von uns unter 20 Jahre alt ist und manche weit über 30 sind – also so alt, wie Jesus auf Erden nie geworden ist.

Uns gibt es in verschiedensten Anstellungsverhältnissen und an unterschiedlichen Hochschulen. Genauso vertreten wir diverse theologische Positionen. Wir sind ein bunter Haufen, den aber eines eint: Wir verschreiben unsere berufliche Zukunft der Kirche. Wir SIND die theologische Zukunft. Wir werden noch die Stellung halten, wenn die meisten Delegierten des Synodalen Weges in der Rente, Pension, Emeritierung sind. Deswegen muss unsere Stimme gehört werden, wenn die Zukunft unserer Kirche verhandelt wird.

Das Ringen um die Zukunft von Theologie und Kirche

Ich soll diese Stimme sein. Dabei habe ich mich nicht darum gerissen. Ganz im Gegenteil: Eigentlich wollte ich mich heraushalten. Ich hatte keinerlei Erwartungen an diese Veranstaltung. Ein umtriebiger Kollege sprach mich an und forderte mich auf, für die Wahl zu kandidieren. Nun verspüre ich bereits eine Bewegung, die mich mitzieht: Interviewanfragen, Bitten um Statements, Einladungen zu Veranstaltungen, die unaufgeforderte Zustellung katholischer Medien, E-Mails von Privatpersonen. Andere nehmen den Synodalen Weg viel ernster als ich es anfangs selbst getan habe und erinnern mich so an meine Verantwortung.

Zum Teil fordern sie von mir klare Statements, eine Liste von Forderungen. Und wenn diese am Ende des Weges nicht erfüllt werden, dann … ja, was? Soll ich dann empört sein? Soll ich aus der Kirche austreten? Ich werde nicht aus der Kirche austreten. Aber ich werde die drängenden Fragen und Probleme weiter deutlich ansprechen. Sie lassen sich nicht aussitzen. Der Synodale Weg bietet einen Rahmen, in dem die vier Themenkomplexe gemeinsam und konzentriert bearbeitet werden können: Macht und Gewaltenteilung, Sexualmoral, Priesterliche Lebensform und Frauen in Diensten und Ämtern. Ich erwarte, dass alle Teilnehmenden zu einer konstruktiven Atmosphäre beitragen, sich gegenseitig ernst nehmen, um konkrete, umsetzbare Beschlüsse ringen und diese dann auch umsetzen.

Das Einbringen der eigenen Perspektiven

Was ich meinerseits einzubringen habe, ist erstens eine junge Perspektive. Zwar bin ich schon lange nicht mehr im BDKJ-Alter, aber den Altersdurchschnitt der Delegierten unterschreite ich spielend. Zweitens teile ich die Sichtweise derer, die sich auf einen Dienst an und in der Kirche vorbereiten. Ich vertrete drittens eine junge Theologie. Wir kennen die theologischen Argumente, kämpfen aber nicht mehr die Kämpfe von gestern. Wir sehen die gegenwärtigen Herausforderungen, manche von ihnen alt, manche neu. Und wir wollen uns ihnen stellen. Viertens schaue ich auf die Kirche und den Synodalen Weg aus weiblicher Sicht. Ich bin eine Frau, Theologin, junge Mutter und eine Feministin der Dritten Welle.

Und fünftens habe ich einen gesamtdeutschen Blick. Ich stehe mit einem Bein im Westen Deutschland, als Angehörige der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main, die auf dem Gebiet des Bistums Limburg liegt. Mit dem anderen Bein stehe ich im Osten, im Bistum Dresden-Meißen. Ich kenne beide Perspektiven – die der Volkskirche, die unter Schmerzen schrumpft, und die der Diasporakirche, die schon lange in der Situation ist, vor der man sich in der westdeutschen Mehrheitskirche noch fürchtet.

Wie genau ich meine Perspektiven in den Synodalen Weg einbringen kann, weiß ich noch nicht. Der ganze Prozess ist neu für mich. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Heute Abend beginnen wir die erste Vollversammlung mit einem Gottesdienst im Frankfurter Dom. Danach werden wir bis Samstag reden, zuhören, debattieren, nachdenken, beten. Nach dem Abschluss der ersten Vollversammlung werde ich davon berichten – wieder an dieser Stelle. Ich möchte damit einerseits Transparenz über den Synodalen Weg schaffen und über meine Rolle darin. Andererseits möchte ich auf diese Weise selbst die Geschehnisse reflektieren. Ich werde ins kalte Wasser springen – vor den Augen der Leser*innen dieses Blogs. Dann mal los.

Hashtag: #SynodalerWeg


(Beitragsbild @dickens116)

juliane eckstein

juliane eckstein

ist diplomierte Dolmetscherin und hat später in München und in Jerusalem Katholische Theologie studiert. Sie promoviert im Alten Testament über das hebräische Ijobbuch und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Sankt Georgen. Sie findet die derzeitigen Umbrüche in der Kirchenszene spannend.

2 Replies to “Synodengänger*innen: Ein Sprung ins kalte Wasser

  1. Liebe Juliane,
    ich bin sehr gespannt auf deine Berichte vom Synodalen Weg. Danke, dass du die Perspektive junger Theolog*innen dort einbringst und uns über diesen Blog daran teilhaben lässt!

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