Am 26. Mai 2019 findet die Europawahl statt – wir haben uns bei unseren Autor*innen umgehört und nachgefragt, was Europa für sie bedeutet und warum sie am Sonntag zur Wahlurne gehen werden. Wir rufen Euch dazu auf, sich dem anzuschließen!

Europa als Prozess 

Benjamin Bartsch nimmt an der Europawahl teil, denn …

Europa bedeutet für mich, dass sehr unterschiedliche Menschen verschiedener Herkunft und Kultur zusammen viel mehr erreichen, als sie allein je könnten. Aber Europa ist längst nicht das, was es sein könnte und sollte: demokratischer, freiheitlicher, ökologischer und verantwortlicher den ärmsten Menschen auf dieser Welt gegenüber. Europa ist kein schon erreichtes Resultat, sondern ein Prozess, dessen Perspektive für mich die Vereinigten Staaten von Europa sind. Und dafür lohnt es sich zu wählen.


Es lebe Europa! 

Marlene Deibl nimmt an der Europawahl teil, denn …

Mir ist die Antwort auf diese Frage nicht sofort eingefallen, aber dann fielen mir die Schuppen von den Augen. Ich lebe in Wien! Wien als Stadt ist der belebte Beweis dafür, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit dem öffentlichen Raum, starke Infrastrukturen und eine Verpflichtung darauf, dieses historische Erbe fortzuführen, möglich sind. Und in dieser Stadt lebt es sich gut. Wirklich gut. Sie zeigt, dass es möglich ist, für viele ein gutes Leben zu schaffen. Diese Stadt ist ein gelungenes europäisches Projekt. Es lebe Wien! Es lebe Europa!


Mein Europa soll auch ihr Europa sein 

Mara Feßmann nimmt an der Europawahl teil, denn …

Europa irritiert mich in den letzten Jahren. Die Grenzen sind so dicht, wie ich sie nie kannte und im Mittelmeer ertrinken Tag für Tag Menschen. Einige von denen, die im Jahr 2016 aus Afrika kamen, durfte ich kennenlernen und verfolge ihre Wege bis heute: Einer wurde schon im Jahr 2017 abgeschoben, hat sich wieder auf den Weg übers Mittelmeer, die Spanienroute, gemacht. Zwei Bilder hat er mir geschickt, seitdem habe ich nichts mehr gehört, kein Lebenszeichen, nichts.

Das ist also das Europa, in dem ich lebe. Ist das noch mein Europa? Nein. Und genau deswegen gehe ich wählen – für ein anderes Europa, für die, die übers Mittelmeer kamen und immer noch versuchen zu kommen. Ich will, dass mein Europa auch ihres sein kann.


Europa – Ort des Diskurses 

Moritz Findeisen nimmt an der Europawahl teil, denn …

Eine Gemeinschaft ist nur dann funktionsfähig, wenn in ihr jedes Individuum seiner Stimme Gehör verschaffen kann und diese Möglichkeit auch zum Wohle aller ergreift. Die Europäische Union ist das Größte, was unser Kontinent mit seiner wechsel- und leidvollen Geschichte je hervorgebracht hat! Angesichts der immer komplexer werdenden globalen Konfliktlinien brauchen wir solche übergeordnete Einheiten, die Raum zum offenen Diskurs der Meinungen schaffen.


Europa – ein uns vererbtes Versprechen

Daniel Kuran nimmt an der Europawahl teil, denn …

Europa bedeutet für mich ein uns vererbtes Versprechen, das in Aussicht stellt, dass trotz allem die einmalige Chance eines Zusammenlebens und von politischer Solidarität bei sprachlicher, kultureller, geschichtlicher und religiöser Heterogenität nicht vergeben wird – ein Versprechen, für das man manchmal so einstehen muss, als ob man es selbst seinen Nachbar*innen, als ob ich es Marco, Maurizio, Sarah oder Markéta gegeben hätte – und für das es jetzt die Institutionen zu stärken gilt, die garantieren, dass dieses Versprechen nicht an den Grenzen derselben endet.


Europa mit Kant

Katharina Mairinger nimmt an der Europawahl teil, denn …

„die Vernunft, vom Throne der höchsten moralisch gesetzgebenden Gewalt herab, den Krieg als Rechtsgang schlechterdings verdammt, den Friedenszustand dagegen zur unmittelbaren Pflicht macht, welcher doch, ohne einen Vertrag der Völker unter sich, nicht gestiftet oder gesichert werden kann: – so muß es einen Bund von besonderer Art geben, den man den Friedensbund (foedus pacificum) nennen kann, der vom Friedensvertrag (pactum pacis) darin unterschieden sein würde, daß dieser bloß einen Krieg, jener aber alle Kriege auf immer zu endigen suchte.“ (Kant, Zum ewigen Frieden, BA 35)


Das wichtigste Friedensprojekt des 20. Jahrhunderts 

Stephanie Müller nimmt an der Europawahl teil, denn …

Ich erinnere mich noch lebhaft an das Gefühl, staunend die ersten Euros zu in der Hand zu halten und ungehindert über die Grenzen in unsere Nachbarländer reisen zu können. Europa ist aber viel mehr als Währungsunion und offene Grenzen. Es ist für mich das wichtigste Friedensprojekt des 20. Jahrhunderts, das – bei allen Unzulänglichkeiten – eine Vision von Einheit in der Vielfalt verfolgt, hinter die es nicht wieder zurückfallen sollte.


Selbstverständlichkeit „Europa“? 

Lukas Wiesenhütter nimmt an der Europawahl teil, denn …

Europa ist für mich eine Selbstverständlichkeit, von der ich sehr oft vergesse, dass sie keine ist. Ich habe in England studiert, ohne je ein Visum zu beantragen oder eine Behörde zu besuchen. Selbst Grenzkontrollen und Geldwechseln kommen mir vor wie Ausnahmen, nicht wie die Regel – und auch an mobiles Internet ohne Zusatzkosten habe ich mich gewöhnt. Weil all das eben nicht selbstverständlich ist, hoffe ich auf eine hohe Wahlbeteiligung und einen Kontinent, der die Zeit nicht zurückdrehen will.


Hashtag: #europawahl2019

(Beitragsbild @Waldemar Brandt)

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