Am Dienstag, den 24. April, findet in Freiburg eine Podiumsdiskussion unter Beteiligung unserer Redaktion statt. Das nehmen wir zum Anlass, ein paar Statements über das „Geschäft, Theologie unter die Leute zu bringen“, mit Euch zu teilen: Wie verstehen wir Theologie? Was hat sie in der Öffentlichkeit noch zu melden? Und welche Rolle spielt das Internet bei alledem?

Theologie ist keine Festlegung der und auf die Kirche

Das weit verbreitete Klischee, junge Menschen seien an religiösen Fragen nicht interessiert, halte ich für ziemlich verfehlt. Menschen sind immer auf der Suche nach Sinnhorizonten, in die sie ihr eigenes Leben hineinstellen können. Problematisch wird es dann, wenn diese Sinnhorizonte statisch wirken und die kirchliche Autorität festlegt, die einzig legitime Instanz zur Interpretation menschlicher Erfahrungen mit Gott und den daraus folgenden Konsequenzen zu sein. Theologie muss hier ansetzen: indem sie zuerst ihre eigene Selbstlegitimation (kirchen-)kritisch reflektiert und den Blick öffnet für die mannigfaltigen Orte, an denen die großen anthropologischen Fragen heute geklärt werden. Im Diskurs mit anderen Wissenschaften, aber vor allem mit der Kunst und der Kultur, muss Theologie ihren Bezugsrahmen mithilfe der Vernunft setzen. Dabei darf sie nicht als das überkommene Korrektiv einer „entarteten Moderne“ auftreten, sondern muss sich überraschen lassen, lernfähig sein und sich immer wieder in Frage stellen lassen — auch dann, wenn die eigenen Grundfesten dadurch ins Wanken geraten.

Annika Schmitz


Open Access-Theologie

Jede Wissenschaft – so auch die Theologie – gehört in die Öffentlichkeit und ist der Öffentlichkeit verpflichtet. Das heißt unter anderem, dass Theologie mit der Öffentlichkeit ins Gespräch kommen und dabei die Gesprächsschwellen möglichst niedrig halten muss. Ideal wäre eine Open Access-Praxis – das freie Veröffentlichen von theologischer Literatur im Internet, so, dass alle Interessierten zugreifen können. Die Forderung nach Open Access zieht sich eigentlich durch alle wissenschaftlichen (zumal staatlich finanzierten) Disziplinen. Von einer solchen Praxis würden viele profitieren: Interessierte, etwa nicht (mehr) direkt in der Wissenschaft arbeitende Theolog*innen hätten kostenfreien, flexiblen Zugriff auf die aktuellen wissenschaftlichen Debatten. Wissenschaftler*innen wüssten, dass ihre Theologie nicht nur gedacht und aufgeschrieben, sondern eben auch gelesen, verbreitet und angewendet wird. Classic win-win. Gerade Nischendisziplinen sollten doch ein starkes Interesse daran haben, ihrer Leser*innenschaft die Lektüre so attraktiv wie möglich zu gestalten. Eine theologische Open Access-Praxis könnte also vieles leisten und dabei eine deutliche Botschaft senden: Theologie gehört in die Öffentlichkeit!

Hannah Ringel


Essayisierung der Theologie? Like.

Ein Theologie-Blog? Hat erstmal was mit diesem „Internet“ zu tun. Gebloggte Theologie will nicht nur der wissenschaftlichen Sache dienen, sondern attraktiv sein. Sie zielt auf Clicks, Shares und Likes. Artikel müssen ihren Leser*innen einen Raum zur Identifikation bieten. Einen Text, mit dem ich einverstanden bin, werde ich gerne in meine diversen Timelines aufnehmen, denn: Ich bin, was ich poste. Aus Sicht von Blogger*innen müssen also interessante Inhalte identifiziert und in eine pointierte Sprache gegossen werden. Ein Theologie-Blog hat aber (hoffentlich) auch was mit Theologie zu tun. Zugunsten der Marktförmigkeit darf der Wissenschaftsethos nicht an den Nagel gehängt werden. Wie jede Äußerung im öffentlichen Raum sollen auch Blogposts den Regeln des gesellschaftlichen Diskurses entsprechen. Ihre Quellen müssen offenliegen, ihre performative Kraft bekannt sein. Unter diesen Vorzeichen kann es der Theologie keinesfalls schaden, online ihre Attraktivität zu steigern: durch relevante Inhalte, eine Sprache, die den Leser*innen komatöse Zustände erspart, und Websites, die nicht aussehen wie Gulasch.

Franca Spies


Relevante Theologie und das kirchliche Murmeltier

Was ich sehr an Theologie schätze, ist, dass ich mich in ihr mit etwas beschäftigen kann, das mich existenziell angeht. Das kann auch der Reiz der theologischen Themen sein, die öffentlich diskutiert werden; denn ich konsumiere die Inhalte, die irgendetwas mit mir zu tun haben. Leider gelingt es auch der öffentlichen Theologie nicht immer, diesen Nerv zu treffen, zu häufig arbeiten sich Theolog*innen an Scheinproblemen des binnenkirchlichen Diskurses ab und liefern so beizeiten Antworten auf Fragen, die mit dem Leben der Menschen nichts zu tun haben. Nicht einmal die Priester interessieren sich noch für die Äußerungen der Glaubenskongregation. Warum also sollte sich die Theologie damit beschäftigen? Sicherlich, irgendwer muss die Kämpfe austragen, aber Theologie hat auch das Potential, wichtigere Fragen zu diskutieren. Diskurse um menschliche Freiheit, alte Wertesysteme und Erziehungsmuster in sich ständig wandelnden Referenzsystemen, oder um gelingendes Leben jenseits materiellen Reichtums sind nicht nur der Theologie inhärent. Erfolgreiche Serien wie Hand of God, The End of the F***ing World oder Breaking Bad zeigen, dass sie auch in unserer Gesellschaft Thema sind. Das Todesurteil über eine öffentlichkeitswirksame Theologie ist noch nicht gesprochen. Um ihm zu entgehen, muss sie sich aber stärker vom binnenkirchlichen Diskurs lösen!

Florian Elsishans


Hashtag der Woche: #TheoBlogie

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(Beitragsbild: @austinchan)

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