In der Rubrik Spoiler Alert liefern wir kurze und knackige Texte über (pop)kulturelle Niceigkeiten. Neue Platten, Video-Spiele, Essaysammlungen und Romane, Theaterstücke – nichts ist vor uns sicher. Heute schreibt Florian Elsishans über Star Wars Episode VIII – The Last Jedi.

Neben ästhetischer Brillanz, Kritik an überkommenen Geschlechterrollen in Filmen, epischen Schlachten im All und der Beantwortung der Fragen, die uns seit zwei Jahren quälen, hat die achte Episode von Star Wars einen Handlungsstrang, der mich besonders interessiert: Der dreier Hauptcharaktere, die von ihrer Religion und der Struktur ihrer Anhänger*innen enttäuscht sind. Nicht zuletzt, weil es mich im alltäglichen Umgang mit der institutionsgewordenen Fettnapftreterin selbst betrifft, möchte ich im Folgenden ein besonderes Augenmerk darauf legen, wie Luke, Rey und Kylo Ren mit dem Jediorden umgehen.

„I only know one truth. It’s time for the Jedi… to end.“ – Luke

In seiner ersten Szene mit dem großen Jedimeister Luke Skywalker setzt er direkt ein eindeutiges Statement, indem er sein jahrzehntelang verlorenes Laserschwert von der Klippe wirft, auf der er steht. Es ist eindeutig: Dieser Mann hat mit seiner Vergangenheit und dem Orden, dessen Sinnbild er geworden ist, gebrochen. Er bezeichnet den Orden als heuchlerisch und bigott, weil er an seinen Idealen scheitert und sich der Machtgier hingibt. Für ihn steht die Lösung anfangs fest: Der Orden muss zusammen mit ihm aussterben.
Er lässt dabei leider unbeachtet, dass der Jediorden nicht einfach aus der Geschichte zu radieren ist. Dass es Menschen gibt, die weiterhin auf die Jedi bauen, dass der Orden Lehren hat, der sich andere annehmen können, wie es Rey später tut. Von ihr überzeugt schlägt er auf Crait doch seine letzte Schlacht im Namen der Jedi.

„I need someone to show me my place in all of this“ – Rey

Wie eine echte Ordensanwärterin verbringt Rey Tage und Nächte im Regen auf Ahch-To, um Luke zu überzeugen, dem Widerstand zur Hilfe zu kommen. Dabei sieht sie in Luke die einzige Möglichkeit, den Widerstand zu retten. Sie stilisiert ihn gewissermaßen zum Träger von mystischen Fähigkeiten. Erst als Luke ihr langsam mehr über die Jedi erzählt, sieht sie ein, dass der Schlüssel im Umgang mit der Macht in ihr liegt und nicht in dem Meister eines Ordens. Selbst nach einer Begegnung mit der dunklen Seite der Macht, findet sie keine Antworten auf ihre Fragen. Entscheidet sich aber schließlich dazu, dem Weg des Ordens nachzugehen und Kylo Ren auf den gleichen Weg zu führen.
Sie idealisiert weiterhin den Weg der hellen Seite, ob sie die Ordenstraditionen der Jedi anpasst oder die gleichen Fehler macht wie ihre Vorgänger*innen, bleibt abzuwarten. Aber die Gelegenheit mit Kylo Ren die überkommenen Kategorien zu überwinden schlägt sie aus, was das Konfliktpotential der Galaxie aufrechterhält.

„Let the past die. Kill it, if you have to. That’s the only way to become what you are meant to be.“ – Kylo Ren

Als sein Lehrer ihn verrät, wendet Kylo Ren sich nicht nur gegen ihn, sondern macht es sich zur heiligen Pflicht, den Orden auszumerzen. Er wendet sich aber nicht nur gegen besagten Lehrer und seinen Orden, sondern negiert auch alle Werte, die der Jediorden vertritt. Den ganzen Film über wird betont, wie konfliktreich für ihn die Entscheidung ist, sich Snoke und seinem strikten Kurs der dunklen Seite anzuschließen.
Der lichte Moment kommt, als Snoke stirbt und Kylo die Gelegenheit hat, sich seine Werte frei zu wählen. Nachdem er und Rey sich befreit haben, bietet er ihr an, sich gegen alle überkommenen Strukturen der Vergangenheit zu stellen und der Galaxie gemeinsam eine neue Ordnung zu bringen. Als Rey ablehnt, verfällt er aber wieder in die konsequente und ausnahmslose Destruktion des Jediordens, anstatt – wie eigentlich vorgeschlagen – an einer Dekonstruktion zu arbeiten.

„Werden wir das Schwert über dem Papst zücken, so werden wir uns selber treffen.“ – Tischreden Martin Luthers

Der dargelegte Handlungsstrang ist sicher nicht ganz glimpflich verlaufen und hat teilweise schlimme Konsequenzen für den Schauplatz der Star Wars Saga, vielleicht können wir für unser Leben in und mit der Kirche dennoch etwas lernen.
Lukes und Reys Weg mag im Star Wars Universum zwar funktionieren, aber unhinterfragt den Glaubenssätzen und Traditionen der Kirche zu folgen, klingt für mich ebenso wenig attraktiv, wie ihr komplett den Rücken zu kehren und aktiv gegen sie zu kämpfen wie Kylo Ren gegen die Jedi. Ein wenig Inspiration kann aber der Mittelweg bieten. Wir können die historische Existenz der Kirche nicht leugnen, sondern müssen sie akzeptieren und damit auch die Leute ernstnehmen, die heute noch Hoffnung und Hilfe bei ihr suchen. Durch Ausradierung oder Apologetik werden wir ihr konsequenterweise auch nicht gerecht, sondern sollten versuchen, ihre Botschaft, ihre Strukturen, die theologischen Denkmuster zu dekonstruieren. Das heißt also besagte Denkmuster neu plausibel zu machen, veraltete Theoriesysteme, die hinter ihnen stehen durch solche ersetzen, die unserer heutigen Zeit entsprechen. Wo dies nicht möglich ist, ist es eventuell nötig, sich von überkommenen Inhalten oder Strukturen zu verabschieden. Wenn wir so die theologischen Inhalte für uns persönlich neu erschließen, können wir dazu beitragen, Kirche heute gesellschaftlich und philsophisch sprachfähig werden zu lassen.


The Last Jedi erschien am 14. Dezember 2017 und wurde von Lucasfilms produziert.

Beitragsbild: screenrant

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florian elsishans

studiert katholische Theologie in Freiburg. Er ist Hilfskraft am Arbeitsbereich Dogmatik der Uni Freiburg, außerdem stellvertretender Vorsitzender des Diözesanrates Freiburg. Er ist Teil der Redaktion von y-nachten.de.

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