Ein Mann in schwarzer Rüstung samt Cape stürmt zu dramatisch furchteinflößender Musik mit seiner ebenfalls komplett maskierten militärischen Begleitung ein anderes Raumschiff und versucht, einer Prinzessin zu entlocken, wo sie versteckt hält, was er sucht. Die Rollen in Star Wars scheinen von den ersten paar Minuten an klar verteilt. Die Anhänger*innen des Imperiums auf der dunklen Seite der Macht sind die Bösen und die Rebell*innen, die die Unterdrückung beenden wollen und sich auf der hellen Seite der Macht positionieren, sind die Guten. Klar, es macht Fiktionen attraktiv, dass wir der Komplexität der Realität entfliehen können. Doch obwohl es am Anfang so scheint, wird eine allzu simple Betrachtungsweise auch Star Wars nicht gerecht.

Dualismus ist unser Ding

Aber wir sind es gewohnt, in Dualismen zu denken. Gut und Böse – es ist unser Ding. Es ist alles viel einfacher, wenn wir Dinge in zwei Kategorien einteilen und nicht graduieren. Die Handlungen anderer, politsche Entscheidungen, Menschen oder sogar ganze Menschengruppen. Oftmals wollen wir eine gewisse Grauzone nicht so recht wahr haben. Will uns ein Gegenbeispiel beweisen, dass unsere Vorurteile nicht auf alle zutreffen, gilt: „Ausnahmen bestätigen die Regel“. Aber vielleicht sind doch nicht alle, die in einer politischen Organisation sind, die ich scheiße finde, auch Idiot*innen.

Eine starke Gegenüberstellung von Gut und Böse und der Versuch einer klaren Zuschreibung ist natürlich auch im Christentum und in den Anfängen christlicher Theologie vorhanden. So gibt es in den Evangelien auch die Aufforderung, vieles differenzierter zu betrachten, aber in letzter Konsequenz bleibt doch die Frage: hop oder top, Spreu oder Weizen, ewiges Feuer oder ewiges Leben. Auch Augustinus treibt die Frage nach dem Bösen um. Sicher ist aber auch für ihn, das Böse muss zurückgedrängt werden und der Mensch in all seinem Handeln nach dem Guten streben. Eine der häretischen Lehren, mit denen er sich auch beschäftigt hat, stellt hierbei eine Übertreibung oder fast schon eine Zuspitzung des gesellschaftlichen Bildes von Gut und Böse dar – der Manichäismus.

Mani und die 40 Stormtrooper

Passenderweise fühlt man sich bei einem ersten Blick in das Gut-Böse-Konzept des Manichäismus auch terminologisch an Star Wars erinnert. Es ist die Rede von Licht und Dunkelheit, die nicht geschaffen wurden, sondern schon immer voneinander getrennt existierten. Charakterisiert werden ihre Wesen durch Weisheit einerseits und Ignoranz oder Unwissenheit andererseits. Diese beiden Prinzipien befinden sich seit der Schöpfung im Widerstreit um die Kontrolle über die Welt und wir Menschen tragen Aspekte in uns, die von beiden Seiten beeinflusst sind. Wenig überraschend ist die Materie laut Manichäismus in der Dunkelheit angelegt und wir täten gut daran, unserem Körper abzuschwören. Der Weg zur Erlösung liegt deshalb in unserem Verstand und der Rückkehr zum Licht durch die Kraft des Wissens. Der Manichäismus erkennt also zumindest an, dass der Mensch ein Wesen mit unterschiedlichen, teilweise sogar gegensätzlichen Grundzügen ist, hält aber daran fest, dass eine dieser Seiten konsequent bekämpft werden muss.

Das klingt doch alles ganz passend für Star Wars. Es gibt die helle und die dunkle Seite der Macht, die sich in verbittertem Kampf gegenüberstehen. Die Gelehrten des Jedi-Ordens lehren die helle Seite als eine Seite der Weisheit, der Geduld, der Überlegung und so weiter. Auf dem Pfad der hellen Seite gelangt oder bleibt man, indem man überlegt handelt, die persönlichen Interessen erkennt, sich aber nicht von ihnen verblenden lässt, sondern sie in rationale Überlegungen mit einbezieht.

Gleichzeitig ist der Jedi-Orden aber auch fast unsere einzige Informationsquelle über die dunkle Seite der Macht. Sie wird von ihnen als eine impulsive, von Emotionen, insbesondere negativen Emotionen, abhängige Seite beschrieben, die dem*derjenigen, die*der ihr verfällt nur Unheil bringt und auf einen für die Umwelt und das Selbst desktruktiven Pfad führt. Die Gelehrten des Ordens sehen zwar ein, dass die dunkle Seite der Macht für den*die Anwender*in ihrer Kräfte große Macht birgt, sehen aber auch diese als eine der Verführungen der dunklen Seite, die zu vermeiden sind.

Der Chauvinismus der Held*innen

Die in üblicher Hollywoodmanier einfach zu durchsteigenden Rollen der Held*innen und Schurk*innen wird uns also auch bei Star Wars in die offene Hand gelegt. Immerhin kämpfen Jedi oder später Rebellion oder Widerstand für die gute Sache mit den richtigen Mitteln. Die moralischen Fehltritte und entsprechenden Rückschläge in der Persönlichkeitsentwicklung liegen auf Seite der Bösen. In der innerfiktionalen Chronologie der Filme wird aber auch dieses Bild zunehmend zerrüttet. Der Jedi-Orden ist zwar in sehr großer Entschlossenheit der hellen Seite verpflichtet, aber auch das feit die Jedi nicht vor moralischen Fehltritten. Insbesondere zeigt sich das, wenn sie durch ihr statisches Erklärungsmodell für die Welt oder durch die strengen Ordensregeln Hilfe unterlassen und Bedürftige weiter Not leiden müssen.

Einer der fatalen Fehler der Jedi liegt wohl aber in ihrem Bild vom Gleichgewicht der Macht. Sie folgen der Prophezeiung über den Auserwählten, der das Gleichgewicht der Macht wiederherstellen soll, und verhelfen so eben jenem Auserwählten, Anakin Skywalker, zum Aufstieg. Das aber endet damit, dass er den Orden zerschlägt und dazu verhilft, den Großteil der Jedi auszulöschen. Fortan kann im engen Sinne auch von einem Gleichgewicht geredet werden, insofern nun kein Überhang mehr an Anhänger*innen der hellen Seite besteht.

Hier scheint der kritische Punkt der Philosophie über Gut und Böse in Star Wars zu liegen. Denn auch die strenge Fixierung der Jedi auf das vermeintlich Gute hat die Jedi nicht vor dem Untergang bewahren können. Sich auf der hellen Seite der Macht zu bewegen führt also nicht notwendigerweise zum Guten und sich auf der dunklen Seite zu bewegen nicht notwendigerweise zum Schlechten. Vielmehr zeigt die Saga, dass die beiden Seiten sich nicht unbedingt in Kontrakdiktion gegenüber stehen müssen, sondern eine angemessene Mischung, sowohl im Individuum, als auch im Universum, wichtig ist.

Hell und Dunkel sollte sich die Waage halten

Sicherlich kann man viel philosophische Reflexion in die Star Wars Saga legen, über ein Held*innenpathos kommt sie leider nicht hinaus. Die Protagonist*innen der hellen Seite bleiben die Guten und auch die tragischen und schlussendlich held*innehaften Figuren der dunklen Seite, wie bspw. Darth Vader, der in Episode VI rehabilitiert wird, werden am Ende doch auf die helle Seite geschubst.

Dennoch kann uns die Saga beibringen, dass eine zu krampfhafte Fixierung auf Gut und Böse der Realität und uns selbst nicht angemessen ist und dass wir in persönlichen wie philosophischen Kontexten häufiger versuchen sollten, die dunklen Seiten zu akzeptieren und reflektieren, sie vielleicht sogar nutzbar zu machen, anstatt sie krampfhaft bekämpfen zu wollen und an unseren eigenen Ansprüchen und einseitigen Konzepten zu scheitern.

Hashtag der Woche: #nichtsalsextreme

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florian elsishans

studiert katholische Theologie in Freiburg. Er ist dort Diözesanleiter der KjG und Mitglied im Vorstand des Diözesanrates. Er ist Teil der Redaktion von y-nachten.de.

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