So schlimm wie erwartet

I, Donald John Trump, do solemnly swear that I will faithfully execute the office of President of the United States, and will to the best of my ability, preserve, protect, and defend the Constitution of the United States. So help me God.

Gut eine Woche ist Donald Trump nun im Amt und hat in dieser kurzen Zeit bereits viele Befürchtungen wahr gemacht. Die Durchführung des Affordable Care Act gestoppt, Abtreibungen erschwert, den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko in die Wege geleitet, eine Pipeline durch ein Reservat von American Natives legen lassen und nun auch noch für 120 Tage ein Einwanderungsstop für Migrant*innen aus sieben verschiedenen muslimisch geprägten Ländern verhängt. Der Mann weiß wie man auf die Kacke haut.

Ich muss zugeben, ich hatte tatsächlich nicht erwartet, dass es so schnell zur Sache geht. Aber es ist so schlimm wie erwartet und es gibt nichts schönzureden. Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Bürger*innen der USA haben sich einen misogynen, rassistischen und heuchlerischen Menschen zu ihrem Vertreter und zum mächtigsten Menschen der freien Welt erwählt (um sich mal dieser Floskel zu bedienen) und bei jeder Push-Benachrichtung, die von den Nachrichten-Apps auf meinem Smartphone erscheint, werde ich etwas frustrierter.

Keine Chance dem Hass

In den sozialen Medien gab es in meiner Filterbubble verschiedene Reaktionen, hat man sich einmal klar gemacht, dass der Umstand nicht mehr zu ändern ist und der Zug eines Politikwechsels in Washington unvermeidbar ins Rollen gekommen ist. Nicht selten stimmen da Leute ein in ein optimistisches „Gebt dem Mann doch mal eine Chance, vielleicht wird es gar nicht so schlimm.“ Zwar hat nun schon seine erste Woche im Oval Office gezeigt, dass es sehr wohl sehr schlimm wird, es gab aber auch schon vor seinem Amtsantritt gute Gründe, nicht in verzweifelten Optimismus zu verfallen, wie auch John Oliver recht humorvoll klargemacht hat. Ein erster Impuls des Abwartens mag wohl verständlich sein, er kann aber ebenso schnell in die Normativität einer unberechenbaren und hassgesteuerten Politik fallen.

Es gilt, sich also immer wieder klarzumachen, dass eine solche Politik eben nicht normal ist. Dass es an einem Präsidenten, der vor seiner Vereidigung sprunghafter war als ein Eichhörnchen auf Koks und der von Hass und Angst motivierte Politik ankündigt und betreibt, nichts gibt, was einer Chance würdig wäre. Es gilt, sich der Tatsache zu stellen, dass es hinsichtlich Friedfertigkeit und Offenheit nicht nur in den USA, sondern mit Trumps Präsidentschaft auch in der Weltpolitik in den nächsten Jahren Rückschritte geben wird. Punkt.

Die Aufgabe liberaler Politik

Today’s ceremony, however, has very special meaning. […] we are transferring power from Washington, D.C. and giving it back to you, the people. For too long, a small group in our nation’s capital has reaped the rewards of government while the people have borne the cost. Washington flourished, but the people did not share in its wealth.

Was Trump in seiner inaugural address wiederholt, hat ihm wohl die Wahl gewonnen. Es waren nicht unbedingt seine klaren „Lösungen“ für allerlei Probleme der Nation, es war seine Solidarisierung mit der Unter- und Mittelschicht, die sich vom Wohlstand nicht bedacht und vom politischen Establishment nicht beachtet gefühlt haben. Es ist egal, wie viele Lügen einer erzählt, wenn er sich dafür als Dein Rächer ausgibt. Ich denke nicht einmal, dass sich die Wähler*innenschaft den Lügen Trumps verschlossen hat. Auch nicht, dass sie Trump wirklich als den gesehen hat, der sich ihrer Probleme annimmt. Vielleicht ist er für manche einfach der, der in Washington das Blatt wendet, der mal aufräumt „da oben“ und der Rache übt für eine politische Elite, die die anvertrauten Menschen aus dem Blick verloren hat.

Es hat sich eine regelrechte Kluft aufgetan zwischen bis vor kurzer Zeit vorherrschender Politik und politischer Kultur und Bürger*innentum, die sogar zu einem massiven Kommunikationsproblem der Gesellschaft und einer verschobenen Wahrnehmung geführt hat. Also stellt sich die Frage, wie eine (eher linke) Politik, deren Kern es ist, an das Wohl aller und nicht nur Einzelner zu denken, so massiv versagen konnte und wie zur Hölle wir abwenden können, dass aus der AfD ein trumpähnlicher Albtraum wird, der uns kalt erwischt.

Keine Ohnmacht für niemand!

Es kann zumindest keinesfalls die Lösung sein, in einer schmollenden bis ohnmächtigen Haltung aufzutreten, die eigenen politischen Ideale jederzeit wie ein Mantra zu wiederholen und dabei die Wähler*innenschaft Trumps und wahlweise auch die ganzen USA für dumm zu erklären. Mit politischem Chauvinismus, der aus Verzweiflung indifferent wird gegenüber Unrecht andernorts, ist niemanden geholfen und die Ohnmacht, das Sich-Ergeben, die diese Haltung kennzeichnet, widerspricht by the way auch der Freiheitsperspektive, die der christliche Glaube eröffnen will. Ein Glaube, der durch eben solche Politiker*innen wie Donald Trump und Frauke Petry ständig missbraucht wird. Missbraucht für ein Bild von Kultur der westlichen Welt, auf die sich schön mal wieder zurückbesinnt werden soll, wobei sich gegen alles vermeintlich Fremde gewehrt werden muss. Dieses verquere Bild einer schon immer so gewesenen Kultur und die leider allzu vertrauten Formeln des „das war schon immer so“ oder des „früher war alles besser“ passen aber nunmal so gar nicht zu einem Glauben, der in jedem Mitmenschen eine Person mit Würde und Freiheit sehen lässt, die man mindestens genauso rücksichtsvoll behandeln soll wie sich selbst.

Als Bürger*innen einer Demokratie und – sofern zutreffend – auch als Christ*innen ist es also unsere Aufgabe, gegen eine solche Politik vorzugehen. Indem wir nicht zulassen, dass Fakten relativiert werden, indem wir den Glauben bezeugen, wie wir ihn sehen, und indem unsere politische Kultur sich zu einer entwickelt, die Leuten wie Trump keinen Raum bietet. Wir dürfen unsere Mitmenschen nicht diffamieren, nur weil sie eine Position äußern, die für uns völlig abwegig erscheint und nicht zu unserer politischen Grundhaltung passt, sondern wir müssen wieder eine Diskurskultur eröffnen, in der sich Leute verstanden fühlen und einsehen können, dass die bisherige Politik sie bedenkt, auch wenn es Demagog*innen geben mag, die ihnen anderes erzählen.

Hashtag der Woche: #sohelpmegod

 


 

P.S.: Es sei hier eine Idee aus der oben bereits zitierten Folge von Last Week Tonight aufgegriffen. Eine weitere Sache nämlich, die man gegen Trump unternehmen kann, ist es, Organisationen und Journalismus zu unterstützen, die bzw. der gegen die negativen Konsequenzen seiner Politik ankämpfen. Eine kleine Auswahl findet ihr später in der erwähnten Folge.

mm

florian elsishans

studiert katholische Theologie in Freiburg. Er ist Hilfskraft am Arbeitsbereich Dogmatik der Uni Freiburg, außerdem stellvertretender Vorsitzender des Diözesanrates Freiburg. Er ist Teil der Redaktion von y-nachten.de.

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