Das Gute, das Böse und Star Wars

Ein Mann in schwarzer Rüstung samt Cape stürmt zu dramatisch furchteinflößender Musik mit seiner ebenfalls komplett maskierten militärischen Begleitung ein anderes Raumschiff und versucht, einer Prinzessin zu entlocken, wo sie versteckt hält, was er sucht. Die Rollen in Star Wars scheinen von den ersten paar Minuten an klar verteilt. Die Anhänger*innen des Imperiums auf der dunklen Seite der Macht sind die Bösen und die Rebell*innen, die die Unterdrückung beenden wollen und sich auf der hellen Seite der Macht positionieren, sind die Guten. Klar, es macht Fiktionen attraktiv, dass wir der Komplexität der Realität entfliehen können. Doch obwohl es am Anfang so scheint, wird eine allzu simple Betrachtungsweise auch Star Wars nicht gerecht.

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Religion? Ay Caramba!

Sie wird kommen: die dreißigste (!) Simpsons-Staffel. Der adipöse Alkoholiker, die notorische Nörglerin, der Rotzlöffel, die Besserwisserin und das ewig schweigende Baby, kurz: die gelbste Familie der Welt, ziehen seit Generationen Zuschauer*innen in ihren Bann. Bei Herder ist nun ein Sammelband erschienen, der die gelbe und die theologische Wirklichkeit miteinander ins Gespräch bringen will.

y-nachten.de durfte vorab einen Blick in das Buch werfen und hat mit den drei Herausgebern, Johannes Heger, Thomas Jürgasch und Ahmad Milad Karimi, gesprochen. Über Religion und Popkultur, Theologie und Katechese. Und Krusty. Und Apu. Und Ned.

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Abschied von Wolke 7

Das, was die katholische Kirche in Sachen Sexualität und Familie vertritt und was junge Menschen leben, hat oft nichts mehr miteinander zu tun. Kann man die christliche Botschaft und das moderne Leben nicht vielleicht ganz anders zusammendenken? Eine musikalische Annäherung.

Die Überschriften dieses Artikels sind Songs, die zum jeweiligen Kapitel passen könnten. Du findest sie hier als Spotify-Playlist.

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Von der unbändigen Sehnsucht nach Leben

Schnipo Schranke

„Schnipo Schranke“ (nach den Gerichten Schnitzel und Pommes mit Mayonnaise und Ketchup) nennt sich die Hamburger Indie-Popband, die erst Anfang Februar ihr zweites Album „rare“ auf den Markt gebracht hat. Daniela Reis und Friederike (Fritzi) Ernst machen keine alltägliche Musik. Vom Stil erinnern sie durch den beinahe kontinuierlichen Synthi-Einsatz ein bisschen an die Hits der Neue Deutschen Welle. Unweigerlich muss man an die Lassie Singers denken. Doch sind ihre Texte weit nicht so brav, wie die einer Nena oder die der Spider Murphy Gang. Fast alle Lyrics von Schnipo Schranke sind irgendwie obszön oder haben mit Körperausscheidungen zu tun – kein Wunder, dass sie zunächst mit ihrem Hit „Pisse“ auf sich aufmerksam machten. Und doch (oder gerade deswegen) muss man dem Rezensenten des Rolling Stone beipflichten, der über das erste Album „Satt“ festhält:

„Falls sich auf einer Autofahrt mal wieder alle anschweigen: Legen Sie dieses Album auf! Man kann einfach nicht weghören“.

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Kirche, 1x in laut, bitte!

Herr Söder und ich

Letzte Woche ist in meine gut behütete Filterbubble ein Störenfried eingedrungen: Markus Söder, Bayrisch(st)er Staatsminister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat, hatte ein Video auf Facebook gepostet, um der ganzen Welt den obsoleten Beweis zu erbringen, wie bayrisch er ist. Vielleicht hat man ein solches Video schon mal gesehen. In der Regel zeigt es Herrn Söder bei einer besonders bayrischen Tätigkeit, die er auch als solche kennzeichnet. Außerdem ist Herrn Söders Social Media Aktivität entweder besonders politisch, oder aber er zeigt sich explizit ganz unpolitisch, dafür volksnah und privat: Steuerfahndung oder Star Wars-Tasse, Heimatministerium oder Homer Simpson.

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Ein Gott der Sprache

A word is dead
When it is said,
Some say.

I say it just
Begins to live
that day.

(Poems, 278)

Welten erschaffen durch Sprache

Ein Zimmer in Amherst, Massachusetts, mit Blick in den Garten: Der Lebensraum von Emily Dickinson, geboren 1830, Tochter einer der angesehensten Familien der Stadt, betrug nur wenige Quadratmeter. Während ihrer 55 Lebensjahre verließ sie diese mit Ausnahme des Zeitraums eines einzigen Schuljahres so gut wie nie. Nach ihrem Tod im Jahr 1886 fanden sich in jenem kleinen Raum über zweitausend Gedichte: Die Welt der Emily Dickinson war eine Welt der Sprache.

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Postfaktisch. Postchristlich. Postepiskopal?

Willkommen in Postfaktistan

Das Präfix „post“ hat Hochkonjunktur. Spätestens seitdem Donald Trump zum Präsidenten der USA und infolgedessen postfaktisch zum Wort des Jahres 2016 gewählt wurde. Tatsächlich erlangte dieser letztgenannte, mittlerweile so erfolgreiche Begriff viel von seiner Bedeutung im Zuge des Wahlkampfes der republikanischen Präsidentschaftskandidaten (zu gerne hätte ich diesen Begriff geschlechtergerecht geschrieben, dazu haben mir die Republikaner*innen, die nur Männer ins Rennen geschickt haben, jedoch keinen sachlichen Grund gegeben): Im „New Yorker“ konstatierte die Harvard-Professorin Jill Lepore mit Blick auf Trump und Co bereits im März 2016,

that some politicians are incapable of perceiving the truth because they have an epistemological deficit: they no longer believe in evidence, or even in objective reality.

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Herrgott Sakrament noche’mal

Soooo wunderbar groooß …

Sofern ein*e Katholik*in überhaupt am Sonntag einen katholischen Gottesdienst besucht und dann auch nicht jede Woche dieselbe Gemeinde ansteuert, kann es mitunter vorkommen, dass der*die Kirchgänger*in mehr oder weniger freiwillig mehrfach in die Vorstellung der diesjährigen Erstkommunionkinder gerät. Mir ist das jetzt binnen weniger Wochen bereits zweimal passiert und das, was ich in den beiden Gottesdiensten erlebt habe, hat mich zum Nachdenken angeregt.

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So help me God.

So schlimm wie erwartet

I, Donald John Trump, do solemnly swear that I will faithfully execute the office of President of the United States, and will to the best of my ability, preserve, protect, and defend the Constitution of the United States. So help me God.

Gut eine Woche ist Donald Trump nun im Amt und hat in dieser kurzen Zeit bereits viele Befürchtungen wahr gemacht. Die Durchführung des Affordable Care Act gestoppt, Abtreibungen erschwert, den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko in die Wege geleitet, eine Pipeline durch ein Reservat von American Natives legen lassen und nun auch noch für 120 Tage ein Einwanderungsstop für Migrant*innen aus sieben verschiedenen muslimisch geprägten Ländern verhängt. Der Mann weiß wie man auf die Kacke haut.

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Der Gott der Opfer

Selbstidentifikation mit Terroropfern

„Je suis Charlie“ konnte man nach den Terroranschlägen auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 beinahe überall lesen. Alle waren plötzlich „Charlie“, auch wenn sie vorher noch nie etwas mit der Zeitung zu tun hatten oder überhaupt von deren Existenz wussten. Das schwarze Quadrat mit den weißen/grauen Buchstaben ging durch die Medien. Hochhäuser wurden damit angestrahlt. Facebook-Nutzer*innen ersetzten ihr bisheriges Profilbild dadurch. Alle waren „Charlie“ und zeigten so ihre Solidarität und ihr Mitgefühl mit den Betroffenen.

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